Donnerstag, 30. März 2017

Ich komme auf Deutschland zu - Firas Alshater

 Moin Bücherfreunde,

das Wunderbare an Büchern ist vor allem die Vielfalt an inhaltlichen Erscheinungsformen. Ob Sachbücher oder Romane - Thriller, Fantasy, Liebe oder Biografie - es wird nie Langweilig mal in eine neue Sparte einzutauchen. 
Manchmal genieße ich es daher mich mit einer netten Biografie hinzusetzen und Details über das Leben eines echten Menschen zu erfahren und mit meinem eigenen Leben, meinen Wünschen und Positionen zu vergleichen - gerne ohne die Person im Vorfeld bereits gekannt zu haben.

So ging es mir auch bei dem Buch "Ich komme auf Deutschland zu" von Firas Alshater. Theoretisch gehöre ich zwar der Generation YouTube an, vertreibe mir meine freie Zeit aber lieber mit Lesen als mir Videos im Internet anzuschauen. Daher ist bestimmt schon der ein oder andere Star total an mir vorbeigegangen. Trotzdem hat mich der Klappentext neugierig gemacht, wie diese einzelne Person seine Ankunft und die ersten Jahren in Deutschland erlebt und gemeistert hat.

Alshater wechselt in seiner Erzählung immer wieder zwischen Erlebnissen aus Deutschland und Syrien, dabei findet die deutsche Bürokratie genauso ihren Weg ins Buch wie Beschreibungen der Verhältnisse in syrischen Gefängnissen.

Mir fällt es schwer eine konkrete Meinung zu dem Buch zu äußern, da meine Meinung zu dem Buch ein wenig zwiegespalten ist. Positiv fand ich vor allem den lockeren, jugendlichen Schreibstil, der auch schwierige Aspekte gut beschreibt ohne etwas zu verharmlosen oder lächerlich zu machen. Und damit meine ich wirklich schwierige Themen wie die gewaltsamen Verhörmethoden in Syrien.

Ich würde das Buch daher gerne in die Bereiche "Deutschland" und "Syrien" unterteilen.
Die Abschnitte, die Erlebnisse in Deutschland mit Deutschen beschreiben kommen mir manchmal zu klischeehaft vor. Der typische Deutsche, der selten lächelt und sich verbissen an seine Regeln hält, ob sie Sinn machen oder nicht, ohne Spielraum für Ausnahmen. Das viele Deutsche eine Schwarz-Weiß-Sicht haben und alles immer in eine Schublade stecken. Viele Erlebnisse werden - nach meinem Empfinden - sehr locker dargestellt, als ob es in Deutschland nur von Behörden gemachte Probleme gibt, die gar nicht sein müssten.
Wenn man genau liest, kann man diese Beschreibungen teilweise auch auf Syrer übertragen, so wie Alshater sie beschreibt. Auch Syrer denken in Schubladen - zum Beispiel, ob man für oder gegen Assad ist.

Die Abschnitte, die Erlebnissen in Syrien beschreiben sind dagegen ernsthafter geschrieben, auch wenn Alshater versucht unbeschwert zu klingen. Es besteht Unsicherheit auf allen Seiten. Welcher Person kann vertraut werden, wem nicht. Die Sorgen um Freunde und Familienangehörige wird genauso beschrieben, wie die Erleichterung, wenn es positive Nachrichten gibt.
Allerdings fehlt mir bei diesen Rückblicken manchmal ein wenig die zeitliche Struktur. Auf Beschreibungen seiner Rolle bei den Demos folgen Erlebnisse aus seiner Kindheit. Zwischendurch berichtet er auch immer wieder, wie es dazu kam, dass er ein Jobangebot aus Deutschland bekommen hat.

Mein Fazit zu dem Buch : ein kurzweiliges Lesevergnügen für jeden, der sich zum ersten mal mit dem Thema Einwanderung und Flucht beschäftigen möchte oder an persönlichen Eindrücken zu diesem Thema interessiert ist. Diejenigen, die sich bereits umfassend mit dem Thema auseinander gesetzt haben und  neue Aspekte erwartet haben, werden leider enttäuscht.

Dennoch, ich schließe mich aus vollem Herzen den Schlussworten von Firas Alshater an und möchte auch meinen Post damit beenden :

"Alle Menschen lachen in derselben Sprache."  (Alshater, F. : 2.Aufl., 2016, S.232)

Viel Spaß beim Schmökern!

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